Kifflom! Zu Besuch bei den Weazel News: die Lehre, die Los Santos erklären will!

vor 2 TagenAlltag
Kifflom! Zu Besuch bei den Weazel News: die Lehre, die Los Santos erklären will!

Es gibt Interviews, nach denen man mit mehr Antworten nach Hause geht, als man Fragen mitgebracht hat. Und es gibt Interviews, nach denen man auf dem Heimweg merkt, dass sich die Fragen eigentlich erst jetzt richtig stellen. Das Gespräch mit dem Neugründer einer Bewegung, die sich selbst nicht als Sekte, sondern als wissenschaftlich fundierte Lehre versteht, war eindeutig Zweites.

Beide Gesprächspartner möchten - auf eigenen Wunsch und vorerst ohne Namensnennung - schlicht als Gelehrte bezeichnet werden. Ein Titel, wie sich im Gespräch herausstellt, den sie sich selbst gegeben haben, nicht etwa eine offizielle Bezeichnung der Bewegung.
Wir kommen diesem Wunsch gerne nach:
Im Folgenden ist daher vom Gelehrten als Hauptsprecher und seinem Begleiter die Rede, der sich selbst ebenfalls als Gelehrter versteht.


"Fragen ist Tugend der Lehre", sagt der Gelehrte gleich zu Beginn, und es wirkt nicht wie eine einstudierte Floskel, sondern wie eine tatsächliche Einladung.
Selbst als Neugründer, betont er, gebe es für ihn noch genug zu lernen. Eine gewisse Bescheidenheit, die man bei Bewegungen dieser Art nicht zwangsläufig voraussetzt.


Die Lehre Tongvas: Eine Krähe, eine Eule und ein Krieg seit Anbeginn der Zeit

Im Zentrum steht die sogenannte Lehre Tongvas, vermutlich benannt nach der Gegend auf der stadtferneren Seite der Weinberge - nach Aussage der beiden kein neues Phänomen, sondern etwas, das laut dem Gelehrten "tausende Male vergessen und wiederentdeckt" worden sei. Ein natürlicher Zyklus, wie er es nennt.
Überall im Universum, so die beiden, gebe es Hinweise auf diese Lehre, zugänglich für alle, die bereit sind, hinzusehen.
Eine Zeit lang habe sie wenig Gehör gefunden, doch die Menschen hätten ein Anrecht darauf, davon zu erfahren - und genau das sei nun, mit dem Gelehrten als neuem Sprecher, wieder der Fall.

Wer ganz ruhig wird und alle Sinne öffnet, könne die Präsenz der Krähe spüren, erklärt der Gelehrte. Sie sei das eigentliche Objekt der Verehrung, ein Oberhaupt, das diese Form angenommen habe. Ihr Gegenspieler: ein böser Geist in Gestalt einer Eule, mit dem die Krähe seit Anbeginn der Zeit im Krieg liege. Die Eule selbst sei in ein Totem-Gefäß in den Tongva Hills gebannt - ein Ort, der dadurch als heilig, aber ebenso als besonders gefährlich gelte. Denn die Eule, so die Warnung, suche sich weiterhin Anhängende und locke sie mit Versprechen von Macht, Geld und weltlichen Annehmlichkeiten.


Religion oder Wissenschaft? Eine Träne, ein Staudamm und eine Plakette im Boden

Dass manche Außenstehende von einer Sekte sprechen, könne der Gelehrte nachvollziehen - "wenn man es nicht weiß, kann man es sich womöglich nicht anders erklären", sagt er ohne erkennbare Verärgerung. Seine Gegenthese: Die Lehre sei eigentlich eher eine Religion mit wissenschaftlicher Nachweisbarkeit als eine reine Glaubenslehre.

Als Beleg führt er zwei Beispiele an, die man so vermutlich noch nicht gehört hat:
Der Staudamm von Los Santos sei einst durch eine Träne der Krähe entstanden, vergossen im Krieg gegen die Eule. Und auch die örtliche Universität gehe auf die Krähe zurück - ein Ort des Wissens und des Fragens, was sich angeblich auch architektonisch zeige: eine Plakette im Boden, auf der eine Krähe abgebildet ist. Zufall, fragt der Gelehrte rhetorisch.


Was genau diese Anekdoten mit "wissenschaftlicher Nachweisbarkeit" im klassischen Sinne zu tun haben, bleibt im Gespräch offen - vermutlich auch deshalb, weil sich solche Verbindungen kaum im strengen Sinn belegen lassen. Hier darf sich jeder Leser und jede Leserin ein eigenes Bild machen:
Ist das eine bewusste Mythologisierung realer Orte, eine persönliche Glaubenswahrheit - oder schlicht der Versuch, einer spirituellen Idee einen rationalen Anstrich zu geben?


"Kifflom" - mehr als nur ein Wort

Wer mit Anhängern der Lehre spricht, wird das Wort früher oder später hören: Kifflom. Laut dem Gelehrten ist es so etwas wie ein ständiger Begleiter des Lebens - eine Betonung, eine Bekräftigung, eine Begrüßung, ein Abschied. Vergleichbar mit einem "Aloha" oder "Amen", aber zugleich eine Art Identifikationsmerkmal unter Gleichgesinnten.
Auch als Hashtag in sozialen Medien habe sich "Kifflomfakt" inzwischen etabliert - ein Ausruf der Zustimmung, der über das Interview hinaus ein Eigenleben entwickelt zu haben scheint.


Vom Zweifel zur Gelehrtheit - ohne Hierarchie, ohne Mitgliedsausweis

Eine offizielle Mitgliedschaft gebe es nicht, erklärt der Gelehrte. Wer sich bekehrt und glaubt, sei damit bereits Teil der Gemeinschaft. Wer mehr möchte, kann sich taufen lassen, erhält ein gesegnetes Tattoo, eine Robe - und auf dem Weg zur Gelehrtheit schließlich eine Medaille sowie, nach der jüngeren Neuinterpretation, eine Vogel Ball Maske.
Eine feste Hierarchie bestreitet er ausdrücklich: Er selbst verstehe sich nicht als Glaubensfigur, sondern als Vertreter und Verbreiter der Lehre. Auch die Bezeichnung "Gelehrter", betont er, sei kein Rang, sondern eher eine Selbstverpflichtung zum Weiterlernen.

Die einzigen Voraussetzungen, um Teil haben zu können und zu dürfen: Interesse an der Lehre und seelische Hingabe. Die Seele dürfe dabei nicht zu sehr von Machtsucht, Rachsucht oder Gier korrumpiert sein.
Bemerkenswert ist ein Satz, den der Gelehrte fast nebenbei einwirft: Der Gedanke, man sei der Lehre nicht würdig, sei bereits Beweis der eigenen Würdigkeit.
Eine elegante Volte - man kann sie als Trost lesen oder als rhetorischen Kniff, der jede Selbstzweifel sofort in Zugehörigkeit umdeutet. Beides scheint hier möglich.
Sünde, so der Gelehrte, sei im Übrigen nicht das Nichtglauben - das wäre lediglich Unwissenheit. Sünde sei die reuelose Anhängerschaft an die Eule, die irgendwann nicht mehr verzeihbar werde. Die Krähe selbst hingegen liebe alle und sei zutiefst verzeihend, was wohlgemerkt eine gewisse Widersprüchlichkeit in sich trägt.


Eine Warnung - und eine offene Frage an die Leserschaft

Auf die Frage, was er der Welt mitgeben möchte, wird der Gelehrte deutlich:
"Die Krähe will nichts Böses. Die Krähe will Gutes. Fallt nicht auf die Eule rein. Kifflomfakt."
Die Eule verspreche Macht, Ruhm und Geld - und die wenigsten, so seine Warnung, wüssten, dass sie sich dabei womöglich etwas Bösem hingeben.


An dieser Stelle sei eine kurze redaktionelle Einordnung erlaubt: Steht die Eule hier sinnbildlich für ganz reale wirtschaftliche und gesellschaftliche Verlockungen? Ist sie eine Art Erklärungsmodell für menschliches Leid und schlechte Entscheidungen - oder, aus Sicht der Anhänger, tatsächlich eine eigenständige, übernatürliche Instanz? Das Interview liefert dazu keine endgültige Antwort, und vielleicht ist genau das der Punkt: Jeder Leser und jede Leserin darf sich eine eigene Lesart bilden.


Auch der begleitende Gelehrte hat einen Rat parat, kurz und unaufgeregt:
"Man sollte nicht blind vertrauen."
Gelernt habe er das durch die Lehre selbst. Wem genau dieses Misstrauen gelten soll - der Eule, ihren vermeintlichen Versuchungen, oder ganz allgemein vorschnellen Gewiss- und Ungewissheiten - lässt er bewusst offen.


Offen für andere Glauben, aber nur eine "wahre" Lehre mit Zielen

Die Tongva-Lehre selbst zeigt sich nach außen erstaunlich dialogbereit: Andere Religionen würden geprüft, teilweise übernehme man wechselseitig Elemente, die Lehre entwickle sich durch neue Mitglieder stetig weiter. Abgelehnt würden andere Glaubensrichtungen nur dann, wenn sich darin Einfluss oder Kontakt zur Eule erkennen lasse. Für die Gelehrten selbst aber, das macht der Hauptsprecher klar, gebe es letztlich nur eine wahre Lehre.


Auch das Epsilon-Programm fällt im Gespräch - möglicherweise ein Teil derselben Bewegung, erkennbar am Symbol, das sich auch auf den Medaillen der Gelehrten wiederfindet, ebenso wie an den Regierungstoren.

Wo genau sich Botschafter Baglotz aufhält, jenes astrale Wesen, das die Lehre einst nach Los Santos gebracht haben soll, ist weiterhin Gegenstand laufender Nachforschungen innerhalb der Bewegung.
Auch von einer "Neubindung der Netzwerke" ist die Rede - scheinbar interstellare Verbindungen, die offenbar auch ganz irdische Technologien wie Bluetooth mit ins Spiel bringen.
An dieser Stelle gelangt das Gespräch endgültig an einen Punkt, an dem Glaube, Symbolik und technische Spekulation nicht mehr ganz trennscharf sind.


Fazit: Eine Bewegung, die Fragen offenlässt - mit Absicht

Was bleibt nach diesem Gespräch?
Eine Lehre, die sich selbst als offen, lernbereit und keineswegs hierarchisch versteht.
Eine Erzählung von Krähe und Eule, die viel über menschliche Versuchungen, Macht und Vertrauen zu erzählen versucht.
Und zwei Gelehrte, die mit auffälliger Gelassenheit jede Sektenkritik vorwegnehmen, ohne sie wirklich zu entkräften - und die, vielleicht bezeichnenderweise, vorerst lieber im Hintergrund bleiben wollen.

Ob hinter "Kifflom" am Ende eine handfeste Weltanschauung steckt, eine soziokulturelle Bewegung mit eigener Symbolik - oder schlicht eine sehr überzeugend vorgetragene Geschichte, bleibt nach diesem Interview bewusst offen. Vielleicht ist das sogar im Sinne der Lehre selbst: Schließlich gilt bei Tongva das Fragen als Tugend, nicht das schnelle Urteil.

Wir sagen mit einziger Gewissheit: Danke - wir freuen uns aufs nächste Mal!

Kifflomfakt.


--- Weazel News Redaktion