
Ein Kommentar
Es fühlt sich noch wie gestern an, als unsere Gründerväter die Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten, es ist kaum zu glauben, dass es schon ein Vierteljahrhundert her ist. Obwohl Amerika als relativ junges Land gesehen wird, sind wir trotzdem eines der ältesten der Welt und mit Sicherheit das stolzeste. Stolz auf sein Volk, stolz auf seine Macht und vor allem stolz auf das Versprechen nach "Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück". Ob Amerika das ist, was es sich einbildet zu sein, und ob es seine Versprechen hält, wird seit langem schon heiß debattiert.
Vielleicht bietet Amerikas 250. Geburtstag auch für Los Santos den besten Vorwand, um mal Bilanz zu ziehen und zu schauen, wie weit wir die Vision unserer ach so geliebten Gründerväter gebracht haben.
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Wie weit hat es die amerikanische Revolution in Los Santos gebracht?
Auf den ersten Blick ist Los Santos eine Meritokratie, also ganz nach dem Motto „Vom Tellerwäscher zum Millionär". Wer jedoch zur Lupe greift, stellt schnell fest, dass jegliches Ministerium, jede Regierungsorganisation und jedes Polizeipräsidium von einer kleinen Clique von Großfamilien geführt wird. Jede nennenswerte Person trägt einen ebenfalls nennenswerten Namen, der mit Wohlstand und Macht einhergeht. Wer es weit bringen will, der lässt sich adoptieren, so lautet längst das Erfolgsrezept der Stadt Los Santos.
Der patriotische Laie mag hier einen Widerspruch zum kapitalistischen Versprechen des alten Amerikas sehen, wo jeder es weit schafft, der bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Wer so denkt, hat jedoch die Rechnung ohne unsere Gründerväter gemacht. So wurde doch Amerika selbst von einer kleinen Clique von machthungrigen Aristokraten gegründet, welche sich ebenfalls auf das Blaue Blut ihrer Vorfahren stützte. Ebenfalls ist anzumerken, dass nur jener wählen durfte, der genug Land besaß. So blieb die Macht selbstverständlich unter den gleichen Familien, ähnlich wie im heutigen Los Santos.
Wo wir schon beim Thema der Wahlen sind: Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zuletzt gewählt haben? Falls Ihnen die Frage schwerfällt zu beantworten, mache ich’s Ihnen leicht: Die Bürgermeisterwahl wurde vor Monaten vom Obersten Gericht für obsolet erklärt.
Die bürgerliche Pflicht des Wählens wurde somit mit der bürgerlichen Pflicht des Arbeitens und Unterwerfens ersetzt. Die große Politik macht schon längst wer ohnehin die Strippen zieht, die aristokratische Oberklasse der Gesellschaft. Ungeprüfte Macht mag auch hier wieder dem Verfassungsenthusiasten aufstoßen. Jedoch sprach bereits Thomas Jefferson (Gründervater und 3. Präsident der USA) von einer „natürlichen Aristokratie“, welche das tagtägliche Geschehen bestimmen sollte.
Los Santos ist in seiner demokratischen Substanz auf einem Level mit dem ursprünglichen Erzfeind der Amerikanischen Revolution, dessen 250. Jubiläum wir feiern, also dem imperialistischen Großbritannien.
Eines muss man dem bourgeoisen System jedoch lassen: Meinungsfreiheit scheint für die Regierung keine Hürde zu sein, denn wen schert schon die aufmüpfige Meinung einer kleinen Unterschicht, wenn man ohnehin Polizei und Militär hürdenlos im Griff hat?
Merkwürdige Erscheinungen und Verschwörungen werden ja sowieso vom FIB weggezaubert und bei dem eigentlichen Geschehen wird die Öffentlichkeit im Dunkeln gelassen. Keiner ist mehr überrascht von offenbarten Geheimnissen des Staates, keiner schreckt mehr zurück vor Polizeigewalt und staatlicher Willkür, und keiner sieht mehr Korruption und Überwachung als großen Skandal, sondern viel mehr als den normalen Alltag.
Irren Sie sich nicht, die Bevölkerung von Los Santos besteht nicht aus Moral Relativisten, sondern vielmehr aus einer Masse an Reizüberfluteten Skandalschwammen, die den längst etablierten Status quo als Normalität aufgezwungen bekommen hat.
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Los Santos: Eine Unabhängigkeitserklärung von demokratischer Substanz
Keiner konnte bei der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung 1776 ahnen, dass auch eines Tages die paradiesische Insel Los Santos zu unserem Land gehören würde, doch hier sind wir nun mal, genau 250 Jahre später. Wir haben es weit gebracht, denn in keinem anderen Bundesstaat ist eine solch fragwürdige Regierungsform von einer breiten Masse akzeptiert oder toleriert worden.
Also Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Los Santos, du bist genau das geworden, was du werden solltest: eine Scheindemokratie, die nur in totaler Finsternis als Glanzbeispiel von Freiheit, Gleichheit und Wohlstand gesehen werden kann.


